Die Genesis – Eine kurze Zusammenfassung der wahren Schöpfungsgeschichte mit erläuternden Fußnoten1 Die Erde brodelte. Riesige Blasen erhoben sich aus zähem Schlick und zerplatzten in Zeitlupe. Glühende, rauchende Partikel sirrten durch die Luft und machten dabei eigenartige Pfeif-Geräusche. Von Zeit zu Zeit kam es vor, dass sich härtere Schichten bildeten, die kollidierten und dampfende Berge formten, aber sie begannen sogleich wieder langsam zu versinken. Der Himmel war ein ziemlich fester, blumenkohlartiger Klumpen aus pechschwarzen Wolken, die Zeit war so eigenartig fest und klebrig, dass sich alles nur sehr, sehr langsam bewegen konnte.* Der Himmel wurde plötzlich von einem gleißend hellen Blitz gespalten. Schlick brannte. Schlick dampfte. Schlick blubberte.** Gott war stinksauer. Seit geraumer Zeit hatte er bereits in regelmäßigen Abständen Blitze auf die Erde geschleudert, ohne irgendeinen sichtbaren Erfolg. Nichts war dort, außer Schlamm, Schlick und wabbeligem schleimartigen, aufgequollenen, zähen, fiesen Wabbel. Gott blätterte in seinem Lehrbuch. Wer hatte diesen Mist verfasst? Ach ja, Gott***. Gott las: „Genesis für Anfänger, Kapitel I. Der Schöpfer sollte damit beginnen, gleißend helle Blitze in eine wabbelige, schlammige Masse zu schleudern, die sich vorzugsweise auf einem Planeten befinden sollte. (Für Planeten siehe Kapitel: „Urknall statt Zeitarbeit: Vorteile, Risiken & Mindesthaltbarkeitsdaten“) Nach einiger Zeit werden sich evtl. zufällig irgendwelche Quallen bilden, die man ärgern kann.“ Gott wollte aber keine Quallen ärgern, er wollte etwas neues, etwas großartiges, intelligentes, etwas ebenbürtiges mit schöpferischem Potenzial erschaffen, er wollte richtige Lebewesen, die im helfen konnten, sich zu reflektieren und die man besser ärgern konnte als irgendwelche zufällig entstandenen Wabbel. *Anmerkung: Das störte allerdings auch keinen, außer ein paar Blasen, die gern etwas schneller geblubbert hätten. **Anmerkung: Also nichts neues *** Hintergrundwissen: Gott wurde natürlich auch von einem Gott erschaffen, der wiederum von einem noch höheren Gott usw. Diese Erschaffungskette war ein Kreislauf, denn der allerhöchste Gott wurde nicht von einem noch höheren Gott erschaffen, sondern vom niedrigsten Gott. In diesem Fall sollte das der Mensch sein... Die Frage, ob und wie dieser Erschaffungs-Kreislauf entstanden ist, und wer ihn wiederum erschaffen hat, muss in einem eigenen Buch erläutert werden – die ganze Geschichte ist einfach zu unendlich. 2 Jetzt war Gott richtig sauer. Er hatte gerade mit ein paar Dinosauriern experimentiert, die allerdings nur rumliegen und fressen konnten. Außerdem hatte er ein bisschen übertrieben: Er wollte ein paar richtig faule Brontosaurier motivieren, mal aufzustehen und etwas anderes zu tun, als 2 mal am Tag eine Palme zu essen. Also hatte er einen kleines Stück Planet genommen und es auf die Saurier geworfen. Er hatte sich allerdings etwas in der Größe verschätzt, denn jetzt war der gesamte Planet in eine rötlich-braune Staubwolke gehüllt und alles Leben war auf unbestimmte Zeit vollkommen vernichtet.Gott war sowas von sauer. Seit Äonen saß* er nun im Weltall rum und langweilte sich. Er konnte sich noch nicht einmal zu Tode langweilen, denn er war ja unsterblich. Er wollte nun endlich mal etwas tun, etwas Sinnvolles vor Allem. * Anmerkung: Gott saß natürlich nicht wirklich, eher metaphysikalisierte eher so durch die Gegend. 3 Gott hatte gerade das Kapitel über Menschen gelesen und fand es höchst interessant. Das musste er mal ausprobieren. Er bastelte einfach ein paar Menschenkörper nach der Anleitung im „Handbuch für den omnipotenten Schöpfer“, er musste nur ein paar Schablonen ausschneiden. Danach klebte er sie zusammen und hauchte ihnen Leben ein*. Natürlich mussten sie zuerst einmal in einer wundervollen Umgebung erwachen, damit sie nicht direkt damit rechneten, geärgert zu werden. Gott überlegte und schuf, schuf und überlegte, überlegte und überlegte und schuf und schuf... Der erste Mensch erwachte aus seinem langen Nicht-Existenz-Schlaf**... * Anmerkung: Der „Hauch des Lebens“ ist im Grunde nur ein religiöser Euphemismus für einfaches Pusten. Gott musste außerdem sowieso auf seine neue Schöpfung pusten, sonst wäre der Kleber nicht so schnell getrocknet. ** Anmerkung: Mit „Nicht-Existenz-Schlaf“ ist einfach der (zugegeben oft unendlich lange) Schlummer gemeint, in dem noch unerschaffene Formen in undefinierbarem Potenzial liegen (bzw. nicht liegen). 4 Der erste Mensch war zuersteinmal einfach da. Dann räkelte er sich und begutachtete seine neuen Gliedmaßen. Boar! Arme und dass ganze Zeug*! Was man damit wohl alles anstellen konnte? Er schaute sich um. Und er erkannte, dass er in einem wundervollen Garten stand. Boar!!! Voll die krassen Früchte und Vögel und son Zeug! Ich tick aus! Unendlich lang gepennt und dann son krasses Zeug überall! * Anmerkung: Natürlich wusste der erste Mensch noch nicht, dass Arme Arme heißen, aber er hatte schon so eine Ahnung, welches Wort wohl am besten passen würde, wenn es schon Worte gegeben hätte. An dieser Stelle wollen wir die Ahnung einfach mal „Arme und das ganze Zeug“ nennen. In Wirklichkeit dachte er ungefähr so: „?. ??. !. ... hm... !!!“ usw. 5 Gott war das erste Mal seit 253 Quadrillionen Jahren wieder einigermaßen zufrieden*. Er begutachtete seine Schöpfung, und sah, dass sie gut war. Er sah dem ersten Menschen zu, wie er gerade versuchte, sich einen Paradiesvogel auf den Kopf zu setzen. Er schmunzelte** und beschloss, mit dem Ärgern noch ein bisschen zu warten. * Anmerkung: Damals, vor 253 Quadrillionen Jahren hatte Gott es geschafft, einen selbsterschaffenen Zauberwürfel zu lösen, an dem er zuvor 23 Trilliarden Jahre lang rumgedreht hatte. (Gott wusste natürlich von Anfang an den perfekten Lösungsweg, aber da es sonst ein bisschen langweilig gewesen wäre, stellte er sich ausnahmsweise ein bisschen dümmer an) ** Anmerkung: Gott schmunzelte nicht wirklich, denn er hatte gar keine körperliche Erscheinung, mit der er hätte schmunzeln können. Trotzdem hätte die körperliche Erscheinung geschmunzelt, wenn er eine gehabt hätte. 6 Der erste Mensch war zwar zufrieden, aber irgendwas fehlte einfach. Er wusste nur nicht was, denn er wusste noch gar nicht, was Wissen eigentlich war. Deswegen rannte er gegen ein paar Bäume und versuchte, verschiedene Dinge zu essen. Gott beobachtete ihn. Er spürte, dass diesem Menschen etwas fehlte. Und er wusste auch, was das war. 7 Der erste Mensch wunderte sich ziemlich, als plötzlich ein Zauberwürfel vom Himmel fiel. Er dachte: „Boar!“ und versuchte dann, den Zauberwürfel in einem Loch zu verbuddeln. 8 Gott wunderte sich. Er hatte schon 23 Trilliarden Jahre Spaß mit Zauberwürfeln gehabt und war nun etwas enttäuscht, dass der erste Mensch seine Leidenschaft eher nicht teilte. Aber was könnte ihm denn sonst fehlen? dachte er eigentlich ziemlich omninoscient und wunderte sich daher ein wenig, keine vernünftige Antwort auf seine selbstgestellte Frage zu kennen*. Er wollte aber zuerst einmal einen anderen Menschen zusammenkleben, um zu sehen, ob er sich vielleicht beim ersten verklebt hatte. Diesmal nahm er aber das „Alternativmodell“. * Anmerkung: Gott war natürlich absolut allwissend und perfekt. Aber da er auch absolut alles konnte, konnte er natürlich auch Fehler machen. 9 Der erste Mensch sah den zweiten Menschen. Der zweite Mensch sah den ersten Menschen. Der allerallerallererste Moment einer menschlichen Beziehung fand gerade jetzt, genau in diesem Moment statt. Beide Menschen spürten das unglaubliche Gewicht und die gewaltige Tragweite dieses einzigartigen Moments. Dann fingen sie an, sich an unterschiedlichen Stellen zu kratzen. Dabei amüsierten sie sich prächtig. 10 Gott sah den beiden zu und wurde sich plötzlich bewusst, die Lösung für das menschliche Problem gefunden zu haben. Aber es war so ähnlich wie bei den scheiß Wellensittichen: Hatte man einen, wurde er ein treuer und unterhaltsamer, aber auch ein unglücklicher Gefährte. Kaufte man einen zweiten, waren beide glücklich, aber zu nichts mehr zu gebrauchen. Jetzt brauchte er nur noch einen Vorwand, um die beiden aus dem Paradies rauszuschmeißen... 11 Die beiden ersten Menschen hörten plötzlich eine tiefe, alles durchdringende Stimme: „FINGER WEG VOM APFELBAUM!“ Die beiden verstanden natürlich kein Wort und aßen irgendwann einen Apfel. Sofort ertönte dieselbe markerschütternde Stimme wieder: „OK, LEUTE! ICH HATTE EUCH GEWARNT! UND JETZT ... RRRRRAAAAUUUUS!“* * Anmerkung: Dies ist die Ursache, warum die Menschen heute nicht mehr im Paradies leben, sondern irgendwo anders.
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